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Einige frühere Notizen aus dem Jahre 2015 :


032815
Heilige Handlung
"Ödipus der Tyrann"
in der Schaubühne Berlin

Das Drama gehört zum Grundbestand abendländischer Theaterliteratur, um 450 vor Christus vom Griechen Sophokles verfasst, 1804 vom evangelischen Hauslehrer und Dichter Friedrich Hölderlin in die deutsche Sprache übertragen. Der Italiener Romeo Castelluci hat sich nunmehr des überlieferten Vorwands angenommen und an der Berliner Schaubühne seine dritte Inszenierung auf Hölderlin-Basis präsentiert.

Castelluci stellt die altgriechische Tragödie von Ödipus, dem fluchbeladenen König von Theben , der nach dem Urteilsspruch der Götter unwissentlich seinen Vater ermordet und seine Mutter zur Frau nimmt, in einen mittelalterlich fundierten Rahmen christlicher Tradition, der vom klösterlichen Leben geprägt ist. Der straff disziplinierte und ritualisierte Alltag aus "ora et labora" bestimmt hier die Atmosphäre. Ein permanentes Halbdunkel beherrscht die Bühne. Aus dem anonymisierten Ensemble ragt vor allem Angela Winkler als Oberin hervor, die auch die psalmodierenden liturgischen Gesänge in reinstem Latein stilgerecht vorträgt. Ausserdem findet sie beim Aufräumen im klösterlichen Raum ein Buch, das zuvor als Niveauausgleich unter einem Bettpfosten gedient hatte.

Es handelt sich um ein Exemplar des "Ödipus"-Dramas in deutscher Sprache. Sie beginnt darin zu lesen, und nun weitet sich der Bühnenrahmen zum weiss getünchten, hell erleuchteten Raum mit dem Charakter eines archaischen Tempels. Fortan spielen die Nonnen, nunmehr ganz in Weiss gewandet, griechische Tragödie, und nach Castellucis Konzept bleibt die gesamte Riege der Darsteller fest in weiblicher Hand. Die am Regisseur  besonders gerühmte Liebe zur Hölderlinschen Sprache kommt allerdings nur näherungsweise zum Ausdruck. Lediglich Ursina Lardi in der Titelrolle ist klar zu verstehen. Die anderen bleiben ungeachtet aller Bemühungen eine klare, weit tragende Artikulation zumeist schuldig, weshalb das erhoffte Erstrahlen Hölderlinscher Diktion großenteils nicht stattfindet. Das gilt sowohl für Jule Böwe als Kreon, Iris Becher als Iokaste und Rosabel Huguet in der Rolle des guten Hirten. Einziger Mann in diesem von Nonnen dominierten Ensemble ist der blinde Seher Teiresias, dem Bernardo Arias Porras Stimme und hagere Figur leiht. Er tritt in einem Habitus auf, der an Jesus erinnert, hat einen kreuzförmig verzierten Wanderstab und trägt ein lebendiges Lamm auf dem Arm, dessen klägliche Laute das Publikum amüsieren. Der blinde Prophet ruft, mit martialischer Akustik untermalt, die verhängnisvolle Prophezeiung der Götter in Erinnerung.

Als Ödipus die Wahrheit seiner schicksalhaften Verstrickung erkennt, nimmt er sich das Augenlicht, und seine Mutter Iokaste erhängt sich. Beide Grausamkeiten bleiben bei Castelluci dem Publikum erspart. Aus der Blendung des Ödipus wird ein sehr ausführliches Video, in dem Castelluci selbst einen Mann spielt, der eine Verletzung der Augen durch Pfefferspray erleidet.

Der Inszenierung ist zu konzedieren, dass sie nicht zuletzt durch Bühnenbild und Kostüme sowie die choreographierte Führung der Darsteller streckenweise eine gewisse Faszination gewinnt. Gleichwohl stört die unzulängliche Klarheit der sprachlichen Realisierung, wodurch sich ein zwingender Fortgang der Handlung, die allmähliche Schürzung eines dramatischen Knotens, nicht ergibt. Zuletzt schliesst der Regisseur seine Präsentation mit einer Pointe ab, die nicht nur den meisten Kritikern Rätsel aufgegeben hat. Vor dem majestätisch weissen Hintergrund der Tempel-Rückwand türmen sich drei wabbelige bräunliche Haufen, die sich sachte bewegen. Dazu ertönen aus dem Off knarzende Laute, die kaum anders denn als flatulierende Winde zu deuten sind. Was uns der Regisseur damit sagen will, ob er etwa den Langmut und die Gutgläubigkeit der Zuschauer karikierend kommentieren möchte, bleibt ungeklärt. Die Zuschauer spenden jedenfalls achtungsvollen Beifall, in den sich einzelne Buhrufe mischen. 

031515
Blues und Gospel
Maria Scharwieß an der Schuke-Orgel
der Nathanaelkirche Berlin-Schöneberg

Die Nathanaelkirche am Grazer Platz in Berlin-Schöneberg ist ein Werk des Architekten Wilhelm Kröger. Nach der Grundsteinlegung 1902 erfolgte die Einweihung in Anwesenheit von Kronprinz Wilhelm binnen Jahresfrist 1903. Kantorin und Organistin ist dort seit 1979 Maria Scharwieß, die neben den liturgischen Verpflichtungen ein besonderes Faible für Rock, Pop und Gospel-Themen hat. Vor ihrer Karriere als Kirchenmusikerin war sie 10 Jahre lang hauptberuflich in einer Band tätig, davon acht Jahre in Norwegen.

Regelmäßig bringt Maria Scharwieß Spirituals und Gospels auf  der Schuke-Orgel der Schöneberger Kirche zu Gehör. Ein solches Konzert mit dem Titel "Blues und Gospel" stand am vergangenen Samstag auf dem Programm.

Die Organistin nimmt am Spieltisch der Pfeifenorgel Platz und startet nach kurzer Begrüssung von der Orgelempore aus. Einen Programmzettel gibt es nicht. Stattdessen werden die einzelnen Stücke über Mikrofon und einen kleinen Lautsprecher angekündigt, was leider infolge des Nachhalls ein schwer verständliches Raunen bleibt.

Beim ersten Titel schlendert die Melodie herein, ein wohlbekannter Wortlaut, ohne dass einem der Text gleich auf der Zunge läge. Die Schuke-Orgel verbreitet den anheimelnden Charme einer niederländischen Jahrmarktsorgel. Alles wirkt absolut lebensecht und schafft sofort eine Atmosphäre mit einem Hauch von New Orleans.

Dann muss die Künstlerin erst einmal die Orgel stimmen, temperarurbedingt. Dazu gibt das rechtwinkling zum Orgelmanual aufgestellte Keyboard den Orientierungston.

Jetzt erklingt über dem gemessenen Schrittmuster im Basspedal eine fröhlich springende Melodie, bald auf einem der drei Orgelmanuale intoniert, bald auf dem Keyboard. Trotz dieser verschiedenen Spielebenen ergibt sich ein sehr lebendiger Klang, der in der Fantasie stets eine swingende Gemeinde in Harlem suggeriert.

"Rock my soul" ist ein Gospel aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, vielfach gecovert von Louis Armstrong und Nana Mouskouri bis zu Elvis Presley. Eine langsam sich wiegende Melodie, die wirklich die Seele bewegt. Über dem ruhigen Grundmuster des Pedals greift Maria Scharwieß kräftig in die Tasten. Die Orgel hat jetzt einen Sound wie eine der amerikanischen Hammond- Kinoorgeln.

Es folgt das unvergleichliche "Oh happy day", ein 1969 von den Edwin Hawkins Singers veröffentlichter Gospel-Song. Das ist nun ein Traditional vom Feinsten. Am liebsten möchte man aufstehen, sich an der Einfassung der Emporenbrüstung festhalten und einfach im Stehen den Rhythmus der nun etwas breiter ausgreifenden Orgel aufnehmen. Deren Klang ist phasenweise schon als fetzig zu bezeichnen. Immer erneut tritt die vertraute Weise zum Vorbeimarsch an.

Dann ein Stück für Keyboard solo, die Jazz-Komposition "Mercy, mercy,mercy". Die Grundmelodie spielte Joe Zawinul 1966 auf einem Wurlitzer E-Piano. Ein verhaltenes Schrittmass, die Finger der Organistin intonieren zunächst nur diese Grundmelodie, wieder ein durchaus vertrautes Motiv, das dann mit bestem Jazzfeeling variiert und akzentuiert wird.

"Walk on the Wild side" , komponiert von Lou Reed 1972, nun wieder auf der Orgel, die gleichfalls das Swingen und die jazzigen Glissandi beherrscht. Die exakt und taktfest markierten Schritte werden sehr genau gesetzt. Und wieder wandert die rechte Hand der Organistin vom Manual zum rechtwinklig aufgestellten Keyboard, und über lange ausgehaltenen Grundtönen flattern die Paraphrasen einer raffiniert erzeugten Variationenreihe, die regelrechte Toncluster einschliesst. Rhythmisch aufgeblendete Akkorde wie thriumphierende Rufe schliessen das Ganze ab.

Ein altes Spiritual ist "Swing low, sweet chariot" von 1909. Es tönt wie gemeinsamer Gesang, mit dem naiven Charme einer Melodie, die mühelos eine ganze Gemeinde um sich versammeln kann, heiteren Sinn und andächtige Stimmung verbindend.

Ein Gospel aus den sechziger oder siebziger Jahren schliesst sich an. Leider sind die Erläuterungen der Organistin trotz Mikrofon und Verstärker kaum zu verstehen, weshalb der Hörer bei der Interpretation auf seine Fantasie angewiesen bleibt. Das Stück ist wieder eine balladeske Erzählung, zunächst im Thema, dann in freier Wahl der Klangfarbe und Tonhöhe variiert.

Dann wieder ein Stück fürs Keyboard, ein zügiges Schrittempo, poppig glitzernd und mit fröhlichen Synkopen versehen.

Darauf der Titelsong aus dem Film "In der Hitze der Nacht", 1967 von Quincy Jones komponiert und dann von Ray Charles gesungen, jetzt mit dem vollen, dunkel unterlegten Klang der Orgelpfeifen angereichert. Die Organistin spielt dieses ganze Programm übrigens auswendig, schüttelt es sozusagen aus dem Handgelenk. Die Orgel hat unter den  Händen von Maria Scharwieß rasch amerikanisches Englisch gelernt und demonstriert den überseeischen Gemeindegesang  sehr überzeugend.

Zum Schluss gibt es einen Beatles-Song: "All you need is love" in herrlich breiter Artikulation. Dieser immer wieder mitreissende Glaubensartikel, der ohne Schwierigkeiten breiteste Akzeptanz findet, entfaltet im volltönenden Orgelplenum einen ganz besonderen Reiz und ist genau der richtige Begleiter für den Heimweg.


030915
Eine Frau mit Vergangenheit
Puccinis "La Rondine"
in der Deutschen Oper Berlin

Sie steht im Schatten seiner berühmten Werke wie "La Bohème", "Madame Butterfly", "Tosca" und "Turandot": die lyrische Komödie "La Rondine", zu deutsch "Die Schwalbe" von Giacomo Puccini, mitten im Ersten Weltkrieg vollendet und  zur Uraufführung in Wien vorgesehen, die dann schliesslich 1917 in Monte Carlo stattfand. Die deutsche Vorlage für das Libretto von Giuseppe Adami stammt von Alfred Maria Willner und Heinz Reichert. Willner hatte auch an Textvorlagen für Operetten von Franz Lehár mitgewirkt, und beide Autoren hatten den Text für das Schubert-Singspiel "Das Dreimäderlhaus" geliefert. Vielleicht waren es diese genealogischen Wurzeln, die "La Rondine" von Anfang an den Ruch mitgaben, so etwas wie eine Operette zu sein. Puccinis Verleger Ricordi soll das Werk sogar als "einen schlechten Lehár" bezeichnet  und die Herausgabe abgelehnt haben.

Puccinis Musik ist unverkennbar von seiner Handschrift geprägt, hat den fernöstlich kolorierten, schmerzlich-süssen Ton, der gerade von Liebhabern dieses Komponisten so sehr geschätzt wird. Das Milieu wird von vielen Quellen gespeist und korrespondiert mit  einer ganzen Reihe literarischer Motive, die den Zeitgeist spiegeln. Typisch ist jedenfalls die Schilderung von aufgebauschten Seelenkonflikten, die nach heutigem Empfinden eigentlich keine sind, weshalb das Werk ungeachtet seiner reizvollen musikalischen Gestalt vor allem im dritten Akt etwas blutleer wirkt.

Für Tenor, Regisseur und Autor Rolando Villazon war es die erste Regiearbeit an der Deutschen Oper, und er hat sie ohne Zweifel mit Anstand absolviert. Alle drei Akte haben einen zügigen und plausiblen Ablauf. Einen besonderen Beitrag zur Belebung der Szene und zur Steigerung des Verständnisses beim Publikum liefern drei männliche Gestalten mit anonymisierender Maske, die das Gesicht verdeckt. Es sind wohl symbolische Reminiszenzen an die amouröse Vergangenheit der Titelheldin Magda. Am Schluss bekommt der gescheiterte Liebhaber Ruggero eine ebensolche Gesichtsmaske aufgesetzt: er ist dann Nummer vier unter den Verflossenen. Das Bühnenbild von Johannes Leiacker glänzt vor allem im zweiten Akt durch eindrucksvolle Spiegeleffekte, und die Kostüme von Brigitte Reifenstuel weisen in die "Roaring Twenties" voraus.

Die Neuinszenierung war in der Probenzeit mehrfach von Erkrankungen der Solisten gefährdet, wie Intendant Schwarz in einer Proszeniums- Erklärung festhält. Kurz vor der Premiere wirft die Sopranistin Dinara Alieva krankheitsbedingt das Handtuch, und Aurelia Florian wagt sich, aus "La Traviata"-Proben in Oslo herausgelöst, drei Tage vor der Premiere für die Rolle der Magda in die fertige Inszenierung hinein, was ihr schon vorab den Sympathiebonus des Publikums sichert.

Roberto Rizzi Brignoli am Pult des aufmerksamen Orchesters versteht es mit lebhaftem Körpereinsatz und feinfühliger Zeichengebung, den geschätzten Puccini-Klang mit der notwendigen Akzentuierung zu realisieren. Im zweiten Akt glänzt der von William Spaulding präzise einstudierte Chor mit klangmächtigem Sound.

Aurelia Florians Magda hat stimmlich und figürlich die notwendige Bühnenpräsenz und kann ihrer Sopranpartie viele der erforderlichen bezaubernden Wirkungen abgewinnen. Ihr Zufallsbekannter, der zum Liebhaber wird, ist Charles Castronovo als Ruggero, sowohl von der Erscheinung wie der klaren, warm getönten Tenorstimme eine überzeugende Verkörperung der Rolle. Drumherum vor allem der sehr lebendige Sopran der Dienerin Lisette, von Alexandra Hutton dargestellt, und der Tenor ihres  Liebhabers, des  Dichters Prunier, mit komödiantischer Spielfreude umgesetzt von Alvaro Zambrano. Rambaldo, den gut betuchten Ex-Liebhaber der "Schwalbe" Magda, gibt der Bassist Stephen Bronk. Hinzu kommen Magdas Freundinnen, animierende Tänzerinnen im Ballsaal Bullier und ein dunkelhäutiger Haushofmeister im letzten Riviera-Akt.

Insgesamt ist die Aufführung eine gelungene Wiederbelebung in Ergänzung des breiter bekannten Puccini-Mosaiks, was allerdings wenig daran ändern dürfte, dass diese Episode eher einen Platz in der zweiten Reihe behält. Das Publikum war angetan und spendete reichen Applaus ohne das obligate Buh-Konzert.

030615
Choralvariationen
Klaus Geitner an der Eule-Orgel
des Französischen Doms am Gendarmenmarkt zu Berlin

Auch am Programm des monatlichen Orgelkonzerts auf der Eule-Orgel der Französischen Friedrichstadtkirche in Berlin, jeweils am ersten Donnerstag jeden Monats,  geht die vor-österliche Passionszeit nicht spurlos vorüber. Der Kirchenmusikdirektor des Hauses, Kilian Nauhaus, begrüßte mit den Zuhörern auch den Gastorganisten des Abends, Kirchenmusikdirektor Klaus Geitner aus München, wo ihm in der Sendlinger Himmelfahrtskirche gleichfalls eine Eule-Orgel zu Gebote steht. Einleitend wies Konzerthaus-Dramaturg Dr. Dietmar Hiller auf das Paradox hin, dass Musik in der Passionszeit eigentlich ein Widerspruch sei, der in katholischen und evangelischen Kirchen auf unterschiedliche Weise aufgelöst werde. So erklärt es sich, dass Kirchenmusik in dieser Zeit gewissermassen "auf Sparflamme" dargeboten wird. Gleichwohl wirke sie gleichermassen durch ihre Emotionalität und die mit ihr verbundene disziplinierte Arbeitsleistung, die zur Meditation anhalte.

Das Programm mit einem Schwerpunkt bei Choralvariationen beginnt mit der Passacaglia d-moll BuxWV 161 von Dietrich Buxtehude. Ein sanftes Schreiten mit leuchtender Klangfarbe, gefolgt von Variationen in unterschiedlicher Registrierung und bald zarter, bald stärker bassfundierter Ausdeutung. Darauf zwei Orgelchoräle vom selben Komponisten: "Vater unser im Himmelreich" BuxWV 219 , wobei die Choralmelodie in hellem Ton über dem Bass ausgeführt wird, und "O Haupt voll Blut und Wunden" Bux WV 178, wieder als periodische Passagen mit Verzierungen in hoher Lage über dunklem Bass.

Darauf das fünfteilige Kyrie aus der 1690 komponierten "Messe à l'usage des couvents" von François Couperin. Die Komposition setzt prächtig volltönend ein, als gelte es, zunächst eine Lobpreisung vorzutragen. Dann folgt in markantem Oboenton eine bewegte, nach Art einer Fuge verschränkte Melodie. Darauf ein mild wolkiges Motiv, über dem sich spielerisch leicht eine verzierte Flötenmelodie entfaltet. In ähnlichem Klang, aber beweglicher formuliert ist das nächste Stück. Zum Schluss nochmals eine sehr farbige Passage, die im Verlauf eine Steigerung und zahlreiche Farbwechsel erfährt.

Johann Sebastian Bachs Orgelchoral "O Mensch, bewein dein Sünde groß" entstammt seinem "Orgelbüchlein" aus der Weimarer Zeit des Komponisten 1712-1717. Ein golden überfangener Klangstrom mittlerer Stärke, der schrittweise seinen Weg geführt wird. Bedachtsam, bisweilen etwas stockend. Ohne spektakuläre Höhepunkte. Unweigerlich zur Meditation einladend.

Das gleiche Choralmotiv hat der französische Komponist und Widor-Schüler Marcel Dupré, der 1934 Organist in der Pariser Kirche St. Sulpice wurde,  für seinen Orgelchoral ausgewählt. Diese Version klingt heller und offener als bei Bach, betont aber gleichfalls die überlieferte Choralmelodie ohne modernistischen Zierat.

Vom 1950 geborenen kanadischen Organisten und Komponisten Denis Bédard stammen die Variationen über den Choral "Herzlich tut mich verlangen", dessen Melodie das Motiv von "O Haupt voll Blut und Wunden" aufgreift, das Zuversicht und Glaubenskraft ausdrückt. Daran schliessen sich Variationen an, die in wechselnder Registrierung dazu auffordern, sich mit dem Sinngehalt des Choralmotivs auseinanderzusetzen. Eine zweite unterlegt das Motiv beispielsweise mit langsamen Schritten, die den Passionsweg bezeichnen könnten. Die dritte Variation ist von tiefer Bassstimme getragen, über der sich gedämpfte Fanfarentöne entfalten.

Im Jahre 2002 komponierte der 1955 geborene  Hamburger Kirchenmusiker Andreas Willscher die "Chansons für eine Kathedrale". Im "Grave" wird eine Szenerie in getragenem Ton ausgebreitet. Der Klang öffnet sich zuerst widerstreitend und wird dann schrittweise zu harmonischen Akkorden geführt. Im Satz "Chaconne" gibt es wieder ein paar spröde Akkorde zur Eröffnung, eine dunkle Basslinie liegt darunter, dann sanft präludierende und verklärende Klänge. Ein neues Motiv setzt mit warmer Harmonie ein, über der sich hellere Töne ihren Weg suchen. Beachtlicher Farbenreichtum statt grosser Prachtentfaltung. Den Schlusssatz "Grand jeu" prägen kreisende, rufende Akkorde im Wechsel mit sanften Echos. Aus dritter Richtung erfolgt eine Zusatzinformation, die wiederum den kraftvollen Akkorden gegenübergestellt wird. Kerniger Klang, volltönend im Schlussakkord.

Das Finale bilden drei Kompositionen von Johann Sebastian Bach, die sämtlich seiner Weimarer Zeit von 1712 bis 1717 zuzuordnen sind.  Zuerst zwei Orgelchoräle: "Vater unser im Himmelreich" BWV 636: eine heitere, frei von Zweifeln geführte Ansprache. Dann BWV 727, das wohl gleichfalls mit dem Choraltext "Herzlich tut mich verlangen" gekoppelt ist. Sanft und betont bedächtig wird das Choralthema zitiert, gewissermassen in vergeistigter Form. Unterwegs hat der Hörer Zeit zu ausgiebigem Nachdenken. Dann folgt die Fantasia und Fuge c-moll BWV 537, vermutlich 1708 in Weimar entstanden. Der Einstieg erfolgt mit tiefer Stimmfarbe und in voller Klangbreite. Dann eine fein strukturierte Wanderung durch eine ernste, aber von Zuversicht erfüllte Landschaft des Klanges. Gezügelte Fantasie, die nicht ausufert. Das Fugenthema wird markant und leuchtend artikuliert. Die ganze Klangfülle der Eule-Orgel kommt zur Entfaltung und wird für ein prächtiges Schlussbild genutzt.

Viel Beifall aus dem diesmal etwas knapper gefüllten Kirchenrund für den Gast und sein jahreszeitlich geprägtes Programm.


030415
Kraftvolle Töne
Vortragsabend Posaunenklasse UdK-Prof. Stefan Schulz
im Joseph-Joachim-Konzertsaal Berlin

Die Posaune ist ein sehr souveränes Blasinstrument mit respektgebietendem Klangauftritt. Der Legende nach kann sie Mauern zum Einsturz bringen und jedenfalls in unübertrefflich majestätischer Weise den Auftritt höchstgestellter Persönlichkeiten ankündigen. Die Studenten im Posaunenfach sind eine kleine, exzellent fokussierte Gruppe, die durch die besonderen Ausdrucksformen dieses Instruments verbunden ist. Häufig kennt man sie nur als Teil der Blechbläsergruppen eines Orchesters. Dabei hat die Posaune auch als Soloinstrument eine Chance und sogar eigene Konzertliteratur, wie beim Vortragsabend der Posaunenklasse zu verfolgen war, die von UdK-Prof. Stefan Schulz, Andreas Klein und Rainer Vogt betreut wird. Den begleitenden Klavierpart im Joseph-Joachim-Konzertsaal übernahmen unter anderem Saori Tomidokoro, Mariya Kim und Viola Fluda.

Douglas Murdoch macht den Anfang. Seine Auftritte an diesem Abend sind Teil seines Examens. Er spielt zunächst "New Orleans", 1962 komponiert vom Franzosen Eugène Bozza, der zuletzt Direktor des Konservatoriums in Valenciennes gewesen ist. Ein paar Klavierakkorde von der Begleiterin vorweg, dann ertönt die unvergleichliche Posaunenstimme zum ersten Mal. Sie kann überraschend sanft klingen, schmiegt sich den Klavierklängen an und tastet sich an ihnen entlang. Abgrundtief schwarze Töne gehören zum Repertoire. Dann folgt eine stärker synkopierte Partie, vom Klavier eingeleitet. Darauf löst sich der Posaunenton vom strömenden Standard, schwingt sich auf und tanzt rhythmisch durch den Raum.

Es folgt João Martinho mit zwei Sätzen aus dem Konzertino vom deutschen Komponisten Ferdinand David, der ein Zeitgenosse von Felix Mendelssohn Bartholdy war und diese gern als Prüfungsstück genutzte Komposition im Jahre 1837 zu Papier brachte. Im "Allegro maestoso" besticht der reine, schön timbrierte Ton, der auch in rascheren Passagen gewandt und exakt artikuliert wird. Zum "Marcia funebre" gibt das Klavier das Trauermarschthema vor. Die Posaune intoniert ihren Part in majestätischer Ruhe, und ihr kraftvoller Ton vermittelt dem Zuhörer eine nachdenkliche Grundstimmung. Die Tonskala reicht hier von der Mittellage bis zur tiefsten Abtönung.

Vom niederländischen Komponisten und Dirigenten Jan Koetsier stammt das "Allegro maestoso", das nun Dennis Schenkel vorträgt. Entschlossen und mit sattem Ton setzt die Posaune zur Klavierbegleitung ein. Für reizvoll rasche Passagen wird sie sehr versiert genutzt. Von sanft angetupften bis zu scharf artikulierten Tönen ist jeder Klangcharakter vertreten.

Der nächste ist Alon Stoler mit eigenem, sehr versierten Klavierbegleiter und dem opus 35 "Capriccio da camera" von Bernhard Krol, der Hornist bei den Berliner Philharmonikern und beim  Radio-Sinfonieorchester Stuttgart gewesen ist. Ein flott vorgetragenes, rhythmisch für Klavier wie für Posaune gleichermassen pointiert gesetztes Stück. Die Posaune tritt nicht nur parallel zum Klavier auf, sondern wiederholt auch einmal dessen Formulierungen, behutsam abgestuft in der Intonation, in einem lyrischen Mittelteil sehr feinfühlig und sensibel timbriert. Dann ein rascher Schlussteil mit ausgesprochen virtuosen Floskeln, die den Pianisten ebenso herausfordern wie den Posaunisten. Schon der Ansatz des Tons ist immer sehr genau und exakt.

Douglas Murdochs zweiter Auftritt gilt dem "Concerto in one movement" vom Russen Alexej Lebedjew, der bis 1993 lebte und Orchestermitglied im Bolschoi-Theater sowie Lehrer am Moskauer Konservatorium war. Die Posaune beginnt in tiefer Lage, umspielt vom Klavier. Dann folgt ein stimmungsvolles Thema, das in majestätischer Festigkeit fortgeführt wird. Gewandte rasche Passagen, souveräne Intonation ohne Tonbrüche. Weite, schön artikulierte Tonfolgen.

Vom 1954 geborenen schwedischen Komponisten Anders Hillborg stammt die 1990 entstandene Komposition "Haut-Posaune" für Posaune und Tape, deren Solopart nun Lars Karlin spielt. Die Grundmelodie kommt vom Band, das einen Klangfond aus Schlagzeug und Elektronik schafft, den die Posaune umspielt und kommentiert. Der Posaunenpart ist stark akzentuiert und mit wilden Glissandi dekoriert, ein ebenso mitreissender wie klanglich unkonventioneller Auftritt.

Nach der Pause übernimmt Max Eisenhut die "Arie et polonaise" op. 128, im Jahre 1944 komponiert vom belgischen Komponisten und Dirigenten Joseph Jongen. Eine weit geführte, lyrisch empfundene Phrasierung über den Akkorden der Klavierbegleitung. Das Klavier eröffnet auch den rascheren Polonaise-Teil, in den sich die Posaune mit tänzelnder Intonation hineinwirft. Rasche und sehr präzise artikulierte Tonfolgen.

Noch einmal Lars Karlin: Diesmal hat er sich das "Concertino" vom schwedischen Komponisten und Dirigenten Lars-Erik Larsson ausgesucht. Es beginnt mit einem "Allegro pomposo": Grosse Auftrittsakkorde des Klaviers künden den Eintritt der Posaune an, die sich mit überraschend warm timbriertem Ton in Szene setzt. Eine Solokadenz gibt Einblick in die Charaktereigenschaften des Instruments, farbig illustriert. Eine erstaunlich variantenreiche Kolorit-Skala ist zu bewundern. "Aria: Andante sostenuto" - jetzt darf die Posaune einen ungemein einnehmenden Nachtgesang anstimmen, den das Klavier ganz behutsam und vorsichtig begleitet. Die Melodie beschleunigt und steigert sich, bevor sie zu einem wunderschönen Schluss führt. Das "Finale: Allegro giocoso" ist ein rascher, virtuos intonierter Ausklang, rhythmisch präzise angelegt. Jede Menge reizvoller Tonspielereien, ein sehr gewandter Solist mit klarer, beherrschender Tongebung.

Vom in New York lebenden Schweizer Komponisten Daniel Schnyder stammt das "Duo concertante" für Tenor- und Bassposaune, das nun gemeinsam von Douglas Murdoch und João Martino vorgestellt wird. Beide Solisten bauen zunächst die Papierbänder ihrer Noten  auf zwei nebeneinander stehenden Pulten auf - nicht ganz einfach. Dann bricht das Vergnügen los, zwei Soloinstrumente im Wettstreit um die einleuchtende Melodieführung, jazzartig synkopiert und mit leichter Intonation. Dann die Tenorposaune mit Dämpfer: gleitende Klagelaute, fesch vorgetragen, meisterlich synchron im Duo. Dann Murdoch mit Dämpfer, darauf ein flotter Zwiegesang in rasch getaktetem Einklang. Bravourös.

Zum Schluss die "Ballade" aus dem Jahre 1940 vom schweizer Komponisten Frank Martin, gespielt von Vladimir Veres. Eine aufsteigende Figur der Posaune in verschwebenden Schritten, dann eine in weiten Schwüngen ausholende und sich steigernde Erzählung, die in tiefer Lage zur Ruhe kommt. Das Klavier liefert neue, motorische Impulse, denen die Posaune folgt, rhythmisch sehr pointiert. Die Posaune schraubt sich in kreisenden Figuren in die Höhe, vom sehr virtuos behandelten Klavier unterstützt.

Viel Applaus für den Einblick in eine Instrumentenklasse abseits des Alltäglichen.


022815
Einklang als Hörerlebnis
Kammerkonzert Klavierduo Monakh/Bringuier
im Joseph-Joachim-Konzertsaal Berlin


Musikalische Begabung und materielle Ressourcen stehen bei Musikstudenten selten von Anfang an im Einklang. Sehr viel häufiger hat ein offenkundiges musikalisches Talent zunächst nicht die wirtschaftliche Basis, um sich ohne Existenznot der künstlerischen Entwicklung widmen zu können. Hier springen Stiftungen und Stipendiengesellschaften wie die Berliner Paul-Hindemith-Gesellschaft ein, die Spendengelder sammeln und sie zur Unterstützung Hochbegabter in Form von Stipendien einsetzen.

Beim jüngsten Kammerkonzert zugunsten der Nachwuchsförderung an der Berliner Universität der Künste vereinte sich das renommierte Klavierduo Olga Monakh und Nicolas Bringuier mit Stipendiaten der Hindemith-Gesellschaft für ein facettenreiches Programm aus Klassik, Romantik und Spätromantik. Olga Monakh ist vor Jahren selbst Hindemith-Stipendiatin gewesen. Der lebhafte Publikumszuspruch im Joseph-Joachim-Konzertsaal, vom Vorsitzenden Prof. Wolfgang Boettcher in seinem Grußwort besonders gewürdigt, bestätigte sowohl das breite Verständnis für die Ziele der Stipendiengesellschaft als auch die hohen Erwartungen an das künstlerische Niveau der Veranstaltung.

An den Anfang stellt das Klavierduo-Ehepaar Ludwig van Beethovens "Acht Variationen über ein Thema des Grafen von Waldstein " WoO67 aus dem Jahre 1792. Für das vierhändig gesetzte Stück nimmt sie links vor dem Flügel Platz, er rechts neben ihr. Eine Reihe von Abwandlungen als Ouvertüre: Springlebendig-Heiteres neben Nachdenklich-Ruhigem: Farbenreiche Brillanz, bisweilen sprunghaft angesteuert, dann wieder bedachtsam hereingeführt. Beide Pianisten erreichen einen rasch gefundenen und dann präzise durchgehaltenen Einklang.

Ebenfalls vierhändig folgt dann Franz Schuberts "Grande Sonate B-Dur " op. 30 D 617 aus dem Jahre 1818. Nun sitzt Bringuier links vor der Tastatur, seine Frau neben ihm. Diese Vortragsweise hat überdies den Vorzug, dass sich beide beim Umblättern der Noten abwechseln können. Das "Allegro moderato" erklingt ausdrucksvoll und mit liedhaftem Duktus, genussvoll geläufig und vor geheimnisvollem Hintergrund. Klarer und feinfühlig dosierter Pianoklang mit blitzend aufgesetzten Lichtern. Im "Andante con moto" ist das Thema wieder eine Erzählung im Liedton, sehr farbig gestaltet und quasi im Dialog der beiden Pianisten verarbeitet. Olga Monakh hat mit den oberen Tonlagen den angenehmen Part der brillanten Illustration. Das "Allegretto" ist sehr lebhaft und demonstriert bestes Einvernehmen. Wieder darf Olga mit perlenden Läufen glänzen, während ihr Gatte sich mit den rhythmischen Akzenten begnügt.

Robert Schumanns "Andante con variazioni für zwei Klaviere, zwei Celli und Horn" op. 46 aus dem Jahre 1843 ist infolge der ungewöhnlichen Besetzung relativ selten zu hören. Olga Monakh sitzt rechts am Flügel, Nicolas Bringuier ihr gegenüber am zweiten Flügel. Vor den beiden sind die Streicher und das Horn platziert: Dina Bolshakova und Victoria E. Lomakova spielen Cello, die Hornistin ist Adrienne Nagy. Celli und Horn eröffnen mit einer stimmungsvollen Grundierung, die Nicolas Bringuier mit Verzierungen versieht. Dann ein schönes Zusammenspiel von Horn und beiden Celli, von den Pianisten sehr feinfühlig mit illustrativen Läufen überfangen: ein klanglich hervorragend eingestimmtes und abgestimmtes Ensemble.
Ein schönes Schumannsches Marschthema reichen sich die beiden Flügel gegenseitig zu. Das bemerkenswert rein intonierende Horn liefert mit den Celli den harmonischen Fond. Sehr klangsinnig im Vortrag, satt und stimmungsvoll in der Farbgebung. Dann eine wunderbar lebhafte Variation, in der die Flügel einander ablösen. Darauf ein Jagdmotiv des Horns, vom Klavier kraftvoll erwidert, mit Annotationen der Celli, festlich im Ton. Darauf beide Celli im Wechsel mit den Klavieren. Der Klangcharakter scheint bisweilen mit Brahms verwandt.

Nach der Pause geht es mit Kompositionen für zwei Klaviere weiter. Olga Monakh sitzt jetzt links, am Flügel mit aufgeklapptem Schalldeckel, Nicolas Bringuier am rechts stehenden Instrument. Zunächst der russische Komponist Anton Arensky, der Professor am Moskauer Konservatorium war und ein Lehrer der beiden folgenden Komponisten Scriabin und Rachmaninoff. Arenskys Suite Nr. 15 aus dem Jahre 1884 beginnt mit einem "Allegretto" etwas elegisch im Stile Chopins, ein Flügel antwortet dem anderen in einem sehr reizvollen Dialogstil, der wieder das beliebte Muster der Variation aufnimmt. Im Satz "Valse" klingt es ein wenig nach Erik Satie, ein schwungvolles und überaus dynamisches Walzerthema, dessen virtuose Drehungen in grösster Leichtigkeit ausgeführt werden. Herrlich melodieselig das Ganze, wobei sich die perlende Spieltechnik des Pianistenduos exzellent ergänzt. Die "Polonaise" eröffnet mit einem grandios auftrumpfenden Einsprung, von Glanz und Feuer bestimmt. Wieder schaut Chopins Geist von einem Wandgemälde herab. Wie ein Frühlingssturm fegt die pianistische Verve mit brausender Souveränität durch den Saal.

Bei Alexander Scriabins Fantasie a-moll op. posth. von 1889  sind die Themen etwas nachdrücklicher und bedeutungsschwerer formuliert, lösen sich dann wie aufsteigender Rauch vom Fundament und beginnen einen bezaubernden Schwebeflug. Die Leidenschaft steigert sich, dann wird das Thema in grossen Akkorden weiter geführt. Später ganz leicht aneinander gereihte Perlenschnüre, dann wieder punktgenaue, im Wechsel hart gefügte Einsätze. In rasendem Tempo geht's dem Ende zu.


Von Sergei Rachmaninoff stammt die Tschaikowsky gewidmete "Fantaisie (Tableaux)"   op. 5 aus dem Jahre 1893 . Im Satz "Barcarolle" kommt die Wellenbewegung vom linken Flügel, die Spiegelungen werden rechts aufgesetzt. Der schwelgerische Duktus wird von beiden getragen. Ein stolzes Schiff gleitet auf Klangwogen leicht dahin. Das Blitzen und Plätschern illustriert das Spiel mit Wasser, Wind und Sonne. "La nuit, l'amour" bringt vor nachtblauem Horizont ein gefühlvoll ausgreifendes Thema, dessen dramatische Intensität die Dominanz der Empfindungen beschreibt. Beide Klaviere in markanter Ausdrucksharmonie, die unüberhörbar einem Höhepunkt zustrebt und danach wieder abklingt. "Les larmes" serviert ein wiederholtes Motiv, dem einzelne Tränen zu entfallen scheinen. Wieder eine klanglich sehr schön abgestimmte Ergänzung der beiden Flügel, die sich zu einem bekenntnishaften Ton steigert, der tröstlich verklingt. "Pâques" beginnt mit einem Thema wie eine Folge von Glockenrufen, das durch verschiedene Tonlagen wandert und dabei seinen zugleich feierlichen, eindringlich-deklamatorischen Charakter stets beibehält.

Für den buchstäblich jauchzenden Applaus bedankt sich das Duo mit der "Armenischen Rhapsodie", komponiert 1950 vom Armenier Arno Babadschanjan. Dann gibt es, wie schon vor der Pause, die traditionellen Dankeschön-Rosen von Hindemith-Beirätin Jutta von Haase, diesmal überreicht vom kleinen Sohn des gastierenden Klavierduos. Er gewinnt die Herzen des Publikums, als er anfangs sämtliche Blumen ausschliesslich seiner Mutter überreichen will.

 





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